Biomasse aus der Region heizt Niederrhein-Therme
Die Niederrhein-Therme in Duisburg ist künftig deutschlandweit das erste Freizeitbad, das aus dem Betrieb einer Kläranlage mit Wärme versorgt wird.
Die Idee für das Projekt entstand im Rahmen der "Potenzialanalyse für regenerative Energiequellen in Duisburg". Die Umsetzung des Projektes erfolgt partnerschaftlich zwischen der Emschergenossenschaft, der Revierpark Mattlerbusch GmbH und der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH (DVV). Ziel ist es, der Therme eine umweltfreundliche, energieeffiziente und wirtschaftliche Wärmeversorgung zu ermöglichen. Der geplante Prozess beginnt im Klärwerk Emschermündung in Dinslaken, wo Faulgas, welches in der Abwasserreinigung entsteht, in den Blockheizkraftwerken der Emschergenossenschaft zur Strom- und Wärmerzeugung genutzt wird. Ein Teil der so gewonnenen Wärme, soll nun über eine Fernwärmeleitung der Niederrhein-Therme im Duisburger Revierpark Mattlerbusch zugeführt und dort zur Wärmeversorgung genutzt werden.
"Dies ist ein weiteres wichtiges Projekt im Rahmen unseres Engagements im Bereich der erneuerbaren Energien?, erklärt Dr. Hermann Janning, Geschäftsführer der DVV. Die konzerneigene Contracting-Gesellschaft, ThermoPlus WärmeDirektService GmbH, übernimmt den Bau der Rohrleitung, bezieht die Fernwärme von der Emschergenossenschaft und vertreibt diese an die Niederrhein-Therme. Gemeinsam mit der Betrem Emscherbrennstoffe GmbH, Tochtergesellschaft der Emschergenossenschaft, und der Revierpark Mattlerbusch GmbH wird nun jeweils ein Wärmeabnahmevertrag und ein Wärmeliefervertrag geschlossen.
"Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren an der effizienten, nachhaltigen Nutzung von Energie und streben energie-autarke Kläranlagen an. In diesem Fall jedoch machte es Sinn, die überschüssige Wärme abzugeben. So wird unsere Abwärme sinnvoll verwertet und die Niederrhein-Therme kann umweltfreundlich ihren Erdgasbezug reduzieren", sagt Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.
Die Emschergenossenschaft betreibt gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen Lippeverband rund 60 Kläranlagen in der Emscher-Lippe-Region. Auf allen größeren Kläranlagen sind Blockheizkraftwerke zur Verstromung des anfallenden Klärgases installiert. Damit erzeugen die Verbände knapp 80 Mio. kWh an Strom, was in etwa der Hälfte des Eigenenergiebedarfs entspricht. Im Emschergebiet zwischen Holzwickede und Dinslaken ist die Emschergenossenschaft mit vier Großkläranlagen, einer Kapazität von etwa 5 Millionen Einwohnerwerten und einer Gebietsgröße von 865 km² größter Abwasserentsorger in Deutschland und verantwortlich für die Entwässerung der Region.
Eine dieser vier Kläranlagen liegt in Dinslaken an der Emschermündung und umfasst 75 Hektar Fläche. Und hier kommt die Betrem als Tochter der Emschergenossenschaft ins Spiel. "Als Tochterunternehmen eines der größten Wasserwirtschaftsverbände können wir mit unseren mittelständischen Strukturen Projekte wie diese kompetent umsetzen", so Raimund Echterhoff, Geschäftsführer der Betrem und Personalvorstand bei der Emschergenossenschaft. Im Klärwerk wird eine Übergabestation installiert und mit dem Bau der Fernwärmetrasse begonnen. Diese führt dann über 1.500 Meter bis zum Revierpark Mattlerbusch im Duisburger Norden. Mit dem Bau ist im März 2011 begonnen worden, der planmäßige Start der Wärmelieferung ist für Frühjahr 2012 vorgesehen.
Die Wärme gelangt dann über ein vollisoliertes Kunststoffmantelrohr in die Wärmeverteilungsanlage der Niederrhein-Therme. Das 1989 eröffnete Thermal- und Solebad verzeichnete in den letzten Jahren rund 400.000 Besucher im Jahr, dadurch ist ein Jahreswärmebedarf von 8,1 Millionen Kilowattstunden notwendig. Für den hygienischen Betrieb der gesamten Bäderanlagen wird 75 Grad warmes Wasser benötigt. In der Kläranlage stehen Temperaturen zwischen 80 und 90 Grad zur Verfügung. Nach Wärmetausch auf das Fernwärmewasser und dem Transport über 1.500 Meter kann die Wärme mit 75 bis 85 Grad im Freizeitbad genutzt werden. "Der Einsatz von regenerativen Energien zur Wärmeversorgung - und dabei auch noch CO2 -Emissionen zu vermeiden - hat für uns oberste Priorität", sagt Hartmut Lange, Geschäftsführer der Revierpark Mattlerbusch GmbH. "Mit dieser neuen Wärmeversorgung können wir etwa 2.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen". Die zugeführte Wärme soll dazu genutzt werden, die Beheizung der Niederrhein-Therme langfristig von Gas auf Prozesswärme umzustellen. Die Therme hat im Jahr einen Erdgasbezug von etwa 10,5 Millionen Kilowattstunden und kann so 8 bis 9 Millionen Kilowattstunden Erdgas im Jahr einsparen.
Damit langfristig eine 100-prozentige Abdeckung des gesamten Wärmebedarfs über die Kläranlage laufen kann, müssen die Prozesse stetig weiter optimiert werden. Auf Seiten der Emschergenossenschaft und der Revierpark Mattlerbusch GmbH müssen die Systeme und Arbeitsweisen der anderen gelernt und aufeinander abgestimmt werden. Garant hierfür ist die ThermoPlus mit ihrer langjährigen Erfahrung im Contracting energietechnischer Anlagen. Letztendlich ist es das Ziel, die Gaskessel der Therme abzuschalten. "So kann das Potenzial der Prozesse in Kläranlagen für die Wärmeversorgung auch extern optimal genutzt werden", weiß Peter Felwor, Geschäftsführer der ThermoPlus. Die ThermoPlus bietet seit 1996 Contracting für die Lieferung von Energie und Energie-Einsparungen an.
Bildunterschrift: (v.l.n.r.): Hartmut Lange (Geschäftsführer Revierpark Mattlerbusch GmbH), Frank Börner (Revierpark Mattlerbusch GmbH), Dr. Jochen Stemplewski (Vorstandsvorsitzender Emschergenossenschaft), Josef Wörmann (Verwaltungsrat Revierpark Mattlerbusch GmbH), Dr. Hermann Janning (Vorstandsvorsitzender Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH), Raimund Echterhoff (Geschäftsführer Betrem Emscherbrennstoffe GmbH), Heinz-Dieter Klink (Regionaldirektor Regionalverband Ruhr), Johannes Gösling (Vertriebsvorstand Stadtwerke Duisburg AG), Peter Felwor (Geschäftsführer ThermoPlus WärmeDirektService GmbH) und Ramon Proske (Geschäftsführer ThermoPlus WärmeDirektService GmbH)


